Trennung von Investment- und Geschäftsbanking macht Bankenrettung für Steuerzahler billiger

Veröffentlicht am 20.10.2011 in Pressemitteilung

Zu der öffentlich diskutierten stärkeren Trennung von Investment- und Geschäftsbanking erklärt die SPD-Generalsekretärin und rheinland-pfälzische Bundestagsabgeordnete Andrea Nahles:

Die Bundesregierung kann sich der vom SPD-Vorsitzenden Sigmar Gabriel vorgeschlagenen, stärkeren Trennung von Investment- und Geschäftsbanking nicht wirklich verweigern. Ähnliche Pläne gibt es in den USA und Großbritannien, die OECD geht in die gleiche Richtung. Zwar ist es richtig, dass die Probleme der Banken diesmal – anders als 2008 – nicht in erster Linie durch riskante Investmentbankinggeschäfte zustande gekommen sind, sondern durch das „langweilige“ Staatsanleihengeschäft.

Dennoch macht eine stärkere Trennung von Investment- und Geschäftsbanking Sinn, denn sie führt dazu, dass die Größe der potenziell zu rettenden „systemrelevanten“ Banken reduziert wird. Damit wird eine „Rettung“ für den Steuerzahler billiger: Der Staat stützt damit nur Geschäftspraktiken, welche der Realwirtschaft dienen – also Unternehmen und Bürgerinnen und Bürger mit Kapital versorgen –, nicht Zockerei.

Außerdem würde eine Trennung der beiden Geschäftsbereiche dafür sorgen, dass die gewachsenen Risiken auf den internationalen Finanzmärkten und das Misstrauen der – dann nur noch - Geschäftsbanken untereinander abgebaut werden könnte.

Dabei geht es nicht zwingend um eine „Zerschlagung“ des deutschen Universalbankensystems. Die Geschäftsbereiche müssen vielmehr voneinander rechtlich entkoppelt werden. Hierzu müssten Kataloge von Aktivitäten festgelegt werden, die Geschäftsbanken verboten sind.

Notwendig wäre es ferner, die Gefahr von Kettenreaktionen durch Verflechtung von Geschäfts- und Investmentbanken sowie mit anderen Finanzmarktakteuren (insbesondere Hedge-Fonds und Private Equity-Fonds) zu reduzieren.

Dennoch ist dies nur ein Baustein zur Bewältigung der Krise. Hinzukommen müssen die Einführung der Finanztransaktionssteuer, eine Machtbeschränkung der Ratingagenturen und insgesamt eine wirksame Regulierung der Banken – und Finanzmarktwirtschaft einschließlich des grauen Kapitalmarkts, also insbesondere von Hedge-Fonds und das Verbot von Finanzprodukten ohne Funktion für die Realwirtschaft.

Da die Bundesregierung offensichtlich keine eigenen ernst zu nehmenden Antworten zur Bewältigung der Krise hat, sich aber im Grundsatz offen für unseren Vorschlag gezeigt hat, fordere ich die Merkel-Regierung auf, endlich Kritik und vernünftige Vorschläge aufzugreifen und zu handeln. Der Gipfel am 23. Oktober muss einen klaren Weg zur Bewältigung der Krise im europäischen Währungsraum aufzeigen.

 

SPD

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