
Eine neue Studie wehrt sich gegen das Schreckensbild einer "gescheiterten Integration"

Eine neue Studie wehrt sich gegen das Schreckensbild einer "gescheiterten Integration"
Dass die Integration der nach Deutschland Zugewanderten und ihrer Kinder besser hätte laufen können, bestreitet kaum ein Politiker. So lag die Arbeitslosigkeit 2008 unter Migranten bei zwölf Prozent und der Anteil der Migrantenkinder ohne jeden Bildungsabschluss stieg zwischen 2007 und 2008 von zehn auf 13 Prozent. Bei den Einheimischen waren es jeweils nur etwa sieben Prozent.
Jugendliche mit Migrationshintergrund warten erheblich länger auf einen Ausbildungsplatz als einheimische Jugendliche, nämlich im Schnitt 17 Monate statt nur drei. Auch leben Migranten häufiger in Haushalten mit geringen Einkommen und unterliegen einem doppelt so hohen Armutsrisiko wie Einheimische. Fortschritte sind zwar in einigen Bereichen zu erkennen, etwa in dem leichten Anstieg der höheren Bildungsabschlüsse oder in dem deutlichen Rückgang der Kriminalitätsrate.
Aber die Lage könnte auch deutlich schlechter sein, so das Fazit des Jahresgutachtens "Einwanderungsgesellschaft 2010" des Sachverständigenrats deutscher Stiftungen für Integration und Migration. Dieser Rat, 2008 von acht deutschen Stiftungen gegründet, versteht sich als ein unabhängiges, wissenschaftliches Gremium, das migrations- und integrationspolitische Entwicklungen in Deutschland beobachtet und dazu Stellung bezieht.
Das Jahresgutachten ist die erste umfassende Studie des Sachverständigenrates. Sie liefert eine Fülle von Informationen über die gegenwärtige Situation der Integration im Einwanderungsland Deutschland. Dabei hebt sie vor allem die positiven Entwicklungen hervor. Die Studie besteht aus dem eigentlichem Gutachten, das die politischen, rechtlichen, ökonomischen und sozialen Rahmenbedingungen und Entwicklungslinien der Migration nach und Integration in Deutschland aufzeigt. Gesellschaftliche Bereiche, in denen die Teilhabe für Menschen mit Migrationshintergrund besonders wichtig ist, werden genauer analysiert.
Außerdem zeigt es das Entwicklungspotenzial und den Handlungsbedarf. Als empirische Grundlage seiner Einschätzung führt der Sachverständigenrat zum anderen das so genannte Integrationsbarometer ein, dessen Ergebnisse in einem gesonderten Kapitel ausführlich dargestellt werden.
Zuwanderer zufrieden mit Integration?
Die meisten Zuwandergruppen schätzen die Lage ihrer Integration besser ein als die Mehrheitsgesellschaft. Das gilt für alle befragten Gruppen - mit Ausnahme der Türkischstämmigen. Unter ihnen befinden sich besonders viele Menschen mit einem geringen Bildungsniveau. Diese bewerten die Integrationssituation generell weniger optimistisch. Die einheimische Bevölkerung hingegen tendiert offenbar dazu, eher auf die Schwächen der Integration zu schauen, und übersieht dabei die positiven Beispiele.
Einwanderungsgesellschaft 2010. Jahresgutachten 2010 mit Integrationsbarometer
Quelle: DEMOS Newsletter